Optogenetik

In der neuesten Ausgabe der Lettre International findet sich ein Artikel von Alexander Schiessling zum Them Optogenetik. Ich begegnete diesem Begriff hier zum ersten Mal. Es handelt sich um eine sehr neue Technologie, mit der es anscheinend möglich ist, Gehirn fernzusteuern. Bisher zwar nur von Fliegen, Mäusen und … Affen. Aber es spricht prinzipiell nichts dagegen, dass auch das menschliche Gehirn resp. Verhalten auf diese Art und Weise manipuliert werden kann.

„Optogenetik wird beschrieben als eine Methode, Nervenzellen in lebenden Geweben oder Organismen mit Hilfe von (kurzwelligem) Licht berührungslos zu steuern.“

„Karl Deisseroth ist Psychiater, Bioingenieur und Neurobiologe an der Stanford University. Manche Medien schreiben ihm die Erfindung der Optogenetik zu. Er hatte das Gen, das die Herstellung des Channelrhodospins codiert, aus der Alge isoliert. (…) Dieses Gen implantierte er anschliessend einem als harmlos eingestuften Virus, das er mit einem Promotor koppelte. (…) Dieses gentechnisch veränderte Virus injizierte der in das Gehirn der kleinen Labormaus. Dort setzte das Virus nun das Genschnipsel in durch den Promotor ausgewählte Zellen ein, die daraufhin begannen, das lichtempfindliche Rhodopsin in der Zellmembran zu exprimieren (also genetisch auszuprägen), die in der Folge lichtsensitiv wurde. Dadurch wurde es prinzipiell möglich bestimmte Zellen mittels Lichtreiz zu aktivieren.“

„Nun wollen Neurowissenschaftler aber Nervenzellen nicht nur ‘einschalten’, sie wollen Gehirnaktivitäten auch ‘ausschalten’ können.“

„Eine Maus, aus deren Kopf ein Glasfaserkabel ragt, sitzt ruhig in ihrem Käfig. Ein blauer Lichtblitz durchläuft das Kabel. Die Maus beginnt wie verrückt im Kreis zu rennen. Ein gelber Lichtblitz durchläuft das Kabel: Sofort, buchstäblich auf Knopfdruck, verfällt die Maus wieder in Bewegungslosigkeit.“

„Miesenböck hat ein Stück DNA eines lichtgesteuerten Ionenkanals, also eines Proteins, auf die beschriebene Weise in einen Fliegenembryo injiziert, das sich in das Genom der Fliege integrierte, von da in die Keimbahn des Tieres gelangte und an alle seine Nachkommen weitergegeben wurde. Der Ionenkanal wurde nun in ganz bestimmte Zellen des armen Fliegenhirns exprimiert, Zellen, die der Neurologe den ‘grossen Kritiker’ nennt. Werden diese Zellen aktiviert, werden die aktuellen Handlungen der Fliege mit Unlustgefühlen besetzt, die Fliege denkt, sie macht gerade etwas Falsches und vermeidet dieses Verhalten zukünftig.“

„Die medial vernachlässigten Anwendungsmöglichkeiten der Optogenetik sind weitreichend. Man könnte das Suchtverhalten beeinflussen, das Aggressionsverhalten, man könnte das Gedächtnis manipulieren, und man könnte Blinde sehend machen. Man könnte jedes als ‘Störung’ definierte Verhalten beeinflussen – sowohl mit als auch ohne die Einwilligung der betroffenen Personen.“

„Die Optogenetik hat weltweit Aufsehen erregt; in über hundert Laboren arbeitet man an ihrer Perfektionierung. Wann es zur Erprobung der Optogenetik am Menschen kommt, ist nur eine Frage der Zeit; es gibt bereits nationale Vorstösse, die biomedizinische Forschung am Menschen zu erleichtern. Die Bioethikkommissionen von Italien und Österreich haben sich dafür eingesetzt, biomedizinische Forschungen an nicht einwilligungsfähigen Personen (Kindern, Demenzkranken, Menschen mit ‘kognitiven Defiziten’) zu erlauben. Und man erkennt mühelos weniger integre Anwendungsmöglichkeiten und Missbrauchspotentiale.“

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